Oh, wir fromme Spekulanten.
Was erzählen wir unseren Kleinkindern, wenn der Opa gestorben ist?
„Opa ist im Himmel!“ – „Da oben, da sitzt er auf seinem Stern und schaut auf uns herunter.“  Und das
Kind ist getröstet. Und wenn das  Kind einen Stern funkeln sieht, ist es überzeugt.
 Ein anderer Fall:
Selten werden Kinder zur Beerdigung mitgenommen. Wie soll man das, was geschah und nun geschieht
erklären?
Die Verwandtschaft trifft sich am ersten Todestag-Gedenken zum Kaffe und will nun gemeinsam zum
Friedhof  gehen. Das Enkelkind meint: „Nun müssen wir dem Opa auch ein Stück Kuchen mitbringen.“
Oder: Das Kind war bei der Beerdigung dabei. Abends will es nicht schlafen. Es hat Angst vor der
Dunkelheit. Erst als ein Nachtlämpchen installiert war, traute sich das Kind, einzuschlafen.
 Es macht existentielle Angst, sich vorzustellen, nicht mehr zu sein. Wenn wir als Erwachsene es nicht
verkraften können, wie soll man es dann den Kindern erklären.
Auch ich mag nicht sterben, noch nicht sterben. Zum Einen hoffe ich, noch Gedankengänge und Begriffe
zu entwickeln, mit deren Hilfe ich Theologie und Neurologie auf einen Nenner bringe.
Zum anderen möchte ich noch die Zeit haben, meine gesammelten und gehorteten Schätze in meinem
Haus rechtzeitig  zu sichten und ordnen zu können, dass meine Familie es leichter hat, meinen
Hausstand aufzulösen. Ansonsten rechne ich mit meiner Selbstauflösung in einen Schlaf, hoffentlich
ohne Alpträume. Danach kann von nichts bis zur Überraschung alles kommen.
<>
Das Alte Testament vertritt im Schöpfungsbericht die Vorstellung, dass der Mensch nichts als belebte
Erde ist. Entzieht Jahwe dem Menschen den Lebensodem, löst er sich wieder in „Staub und Asche“ auf,
wie es auch bei Bestattungen zitiert wird.
Der Gedanke, dass es eine Seele  gäbe, kommt aus der Welt der Griechen und Germanen! Dazu gehört
die Vorstellung vom Reich der Toten, in dem alle Menschen verharren müssen - es sei denn Christus
kommt wieder und ruft uns ins Gericht. Danach gibt es erst den ewigen Tod oder das ewige Leben, je
nachdem wie der Richterspruch über den einzelnen ausfällt. Selbst von dieser zweiten theologischen
Vorstellung ist die allgemeine Christenheit weit entfernt. Viele „besuchen“ ihre Verstorbenen auf dem
Friedhof oder schauen nach oben in die Weite des Himmels und reden mit den Toten.
Als Besucher alter Kirchen begegnet man oft Darstellungen von „Jüngsten Gericht“.  – Diese ernst
genommen: Wer kann sich sicher sein, sich oder einen seiner „geliebten“ Angehörigen auf der richtigen
Seite zu finden? Was haben wir nicht durch die Aufarbeitung der Stasiakten an bitterbösen herben
Enttäuschungen erleben müssen.  Wer nicht wen alles verraten hat! – Oh weija, wenn Gottes Gericht
objektiv und gerecht ist!!! Denn…
haben wir oder unser Verstorbener auch alle Sünden vor Gott ehrlich gebeichtet, zu tiefst bereut und
uns von Christus versöhnen lassen?  -  Wenn nicht, dann haben weder wir noch unser Liebster eine
Chance im Gericht!
<>
Ein Schauer läuft mir vor dem Gruselkabinett des Neuen Testaments den Rücken herunter, wenn dort
die Vorstellung vom ungläubigen Thomas berichtet wird: Er will die offenbar sichtbaren tödlichen
Wunden am auferstandenen Christus befühlen dürfen.
Solche Darstellungen vom Auferstanden Christus und so mancher Märtyrer findet man in vielen
christlichen Kirchen oder auf Kunstwerken. Sollte das der ewige Anblick im Paradies sein, dass jeder
seine tödlichen Wunden mit sich trägt? Welch ein unerträglicher Anblick  für alle Kriegerwitwen und
Kriegsweisen beim Anblick ihrer im Krieg gefallenen Angehörigen.
<>
Gott ist mein Heil. In Gott findest du Ruhe. Gott allein ist Gnade. – Aber..
…..wer ans Sterben denkt oder an Tote, hofft auf ein Wiedersehen mit seinen Lieben. (s.o.).Der Fromme
weiß aber, dass bei Menschen kein Heil zu finden ist, keine Gerechtigkeit und keine Gnade. Die Gibt es
allein bei Gott.  – Und wer sehnt sich schon nach Gott?
Die Erde ist ein Jammertal. Nur bei Gott findet man Ruhe. Bei Ihm gibt es die Allgegenwart, die Ewigkeit.
Da ist kein Ansehen der Person, da ist kein Raum und Zeit.  Also auch kein „ewiges Hallelujasingen“  und
andere innerweltliche Vorstellungen,  - wenn es diese Welt Gottes gibt!
<>
Danach fragen wir doch, wenn es um die Möglichkeit einer Transplantation gibt: Wann ist der Mensch
klinisch tot? – Wenn keine Hirnströme mehr gemessen werden.  Dann zerfallen alle neuronalen
Verbindungen, alle Erinnerungen, alle Hirnstrukturen. Dann ist das ICH aufgelöst. Das ist weniger als
Demenz und noch weniger als Alzheimer.  Es gibt keine „Sicherheitskopie“ in unserem Körper oder
anderswo. Weder von uns in unserer geistigen Hochform, noch von unserer Persönlichkeit auf dem
Sterbebett. Denn zu der Persönlichkeit, die da stirbt gehört auch das Leben als Dementer oder als
Alzheimerpatient.  – Was soll da auferstehen oder weiterleben?  Das „große Buch“ bei Gott? Soll es die
Vorlage für unsere „Neuschöpfung“ sein?
Gewiss, es gibt die Quantentheorie.  Aber die gibt uns auch keinen Hinweis, bei welchem Gott und in
welcher Welt wir dann vor Gericht stehen.
Sternbilder  kommen und gehen. Christian Wulf und Klaus-Dieter Petersen,  woher das Privileg, auf ein
eigenes Leben?
Leben ist werden und vergehen. Ich werde alt, meine Jugend vergeht...
<>
Siehe, ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende.
 Welcher Jesus sagt das?    Der historische, den wir nicht kennen?  Die Urgemeinde hatte seine Botschaft
zwar akustisch gehört, aber auch verstanden? Schon  Paulus hatte nur die Karikatur des verstorbenen
und „Auferstandenen“ Jesus kennengelernt. Eine „Kopie“  sich davon gemacht und die Christen verfolgt.
Von ihm haben wir die Wiedergabe eines Visionserlebnisses, in der ihm der „Auferstandene“ begegnet
ist, - aber nicht der historische Jesus, der in Galiläa predigte,  ist ihm erschienen! Für den interessierte
sich Paulus auch nicht. 
(H-E.S. 16.02.2012)
48