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Mein Weltbild.
Wie beschreiben wir das Leben?
Aus dem Selbstverständnis, als Mensch göttlichen Persönlichkeiten gegenüber zu stehen,
erstellen wir religiöse Texte. Eine Sammlung solcher Texte stellt die Bibel dar.
Älteste ägyptische Historiographien  sehen die Geschichte von Pharaonen als göttliche
Inkarnationen, gestaltet.
In der Schule haben wir diese und andere „Königsgeschichten“ an einer christlichen Zeittafel
orientiert bekommen, die auf die angenommene Geburt Jesu beruht. Ergänzt bzw.
angereichert durch die angenommene Beeinflussung der handelnden Personen von
Religiösen und philosophischen Strömungen.
Kann man Geschichte nicht auch auf der Grundlage gegenwärtiger physikalischer
Erkenntnisse darstellen? Kann? Nein muss man das nicht sogar, wenn unser Alltag
überwiegend physikalisch gegründet ist? Zeit, Technik, Kommunikation, Ernährung,
Freizeitgestaltung?
Wir begründen unsere Existenz nicht mehr in „Jesus Christus“, Mohammed oder anderer
transzendenter „Existenzen“, sondern im „Big Bang“!!
Energie entfaltet sich, kristallisiert sich in Materie aus, konsolidiert sich in Pflanzen und
Lebewesen. Das Umfeld dieser Emanation und Entwicklung ist uns zwar noch sehr nebulös,
aber offenbar nicht anthropologisch zu erklären. Anthropologisch in dem Sinne, als da
„Schöpfer-Figuren“ mit eigenen –individuellen - persönlichen Zielsetzungen, zu denen es auch
Alternativen gäbe. Wir suchen die Entwicklungen  in mathematischen stringenten
allgemeingültigen Gesetzen. Da ist eine Willensbekundung zum „Guten“ oder „Bösen“ nicht
vorgesehen. Allein mit „Umweltbedingungen“ wird gerechnet und gesetzlichen wie logischen
Abfolgen.
Ich weiß nicht, in wie weit Pflanzen und Tiere eine gemeinsame DNA haben, und wo der
Sprung  angesetzt wird. Aber ich behaupte, dass es einen Sprung  gibt, der uns Menschen von
den Tieren abspaltet: Es ist die Entwicklung unseres Gehirns.
Das Gehirn der Hominiden macht es möglich, dass wir in einem zunehmenden Maße  von
einem Instinktverhalten zu einem Zielorientierten Handeln kommen.  Unter den
„Bedingungen“ was  angenehm (gut) ist oder misslich (böse), wurden wir  von Jägern zu
Nomaden, von Nomaden zu Ackerbauern, von „Familien“ zu „Städtern“.  Wie bauen z.B. nicht
mehr wie der Spatz liederliche Nester, sondern komfortable Hochhäuser.
Im Menschen reflektiert sich der „Big Bang“: er entfaltet seine Möglichkeiten in Raum und
Zeit.
Autor im Sinne eines Darstellers des „Lebens“ ist der Mensch. Autorität ist allein die „Physik“. 
Menschliche Autorität ergibt sich nur noch als die Person, die mit seinem Wissen und
Fähigkeiten das Leben am besten darstellen und gestalten kann. Es ist aber keine „absolute“
Autorität, sondern eine von vielen Komponenten eingeschränkte:  Ein Politiker, ein
Schriftsteller, ein Wissenschaftler, ein Lehrer, eine Lebenspartnerin. . . . .sie alle bestimmen
mein Leben mit.
Zufall und Notwendigkeit kreuzen sich in den Ereignissen.
Diese Autoritäten setzen politische, wie wissenschaftliche oder faktische Maßstäbe. Diese
sind räumlich und zeitlich begrenzt.
Freiheit und Vergänglichkeit des Menschen sind seine Wesensmerkmale. So knüpft der
Mensch am  Gewebe  der Evolution oder übertragen: er gestaltet  Geschichte.
Die Bewusstwerdung einer emotionalen Betroffenheit macht den Menschen als
„geistbegabtes“ Lebewesen zu einem Mitspieler der Evolution auf dieser Erde. Er will nicht
nur unterscheiden, was ihm „gut“  tut und was ihm „schadet“, er lernt es diese Ereignisse zu
beeinflussen.
So gibt der Mensch seinem Leben Ziele und Sinn. Er verwirklicht darin seine Sonderstellung
als „Geist“-begabtes Wesen, das relativ freigestellt ist von reinen instinktiven
Reflexhandlungen. Der Mensch ist der „Autor“ seiner  Ziele und seines Lebensentwurfes. Es
sind Vorstellungen, die seinem aktiven Gehirn entspringen.
Im Anfang des Erwachens dieses „Geistes“ waren es noch emotionale „Bilder“, die der
Mensch staunend rezipierte und als „göttliche“ Botschaften religiös reflektierte. Heute
verstehen wir sie als  „Einfälle“ des selbstständig arbeitenden Gehirns, die wir selbstbewusst
logisch  reflektieren können. 
Die Vielzahl der möglichen „Impulse“ und „Interaktionen“  sind kaum nachvollziehbar. Daraus
ergibt sich für uns unser pauschalisierendes Bild von „Natur“ und vom „Geist“.
Gegenüber von Max Weber oder Augustin würde ich nicht von „Pflicht“ oder Gnade
sprechen, sondern von Freiheit.
Die höchste Form der Freiheit hat die christliche Theologie im  „Prinzip Freiheit“ erreicht.