84 Mein kleiner Bruder. Einleitung Mein Vater war der älteste von fünf Brüdern. Dann waren da noch zwei Schwestern. Als langjähriger Junggeselle traf er auf der Hochzeit seines besten Freundes unsere Mutter: Hilde, die „wilde“, die im Sommer sich schon früh morgens vor der Schule auf dem Sportplatz austobte. Seine Partnerschaftsanfrage an meine Mutter war: Willst Du mir fünf Söhne schenken? Die Geburt unseres Bruders 1941 – ich wurde 1937 geboren, meine Schwester 1940 – hat die Gesundheit unserer Mutter sehr angegriffen. Zur Versorgung unseres Bruders engagierte unser Vater eine Kinderschwester. Schwester Frieda, unsere Kinderschwester, hatte Mühe, unserem Bruder das Essen einzuflößen. Hatte sie einen Löffel Nahrung in seinen Mund geführt, musste sie lange warten, bis er das Essen gekaut hatte und schluckte. Drohte er dabei einzuschlafen, hielt sie ihm die Nase zu. Da musste er schlucken. Das entsetzte meinen Vater. Aber unsere Mutter beruhigte ihn: Alle drei Kinder lieben Schwester Frieda! Eines Tages, im Sommer 1942 waren wir Nachmittags an den Strand von Heubude gefahren. Auf dem Rückweg fing unser Bruder in der Straßenbahn an zu kauen. Wir lachten. Schwester Frieda war nach dem letzten Happen des Mittagessens nicht konsequent gewesen. Erst jetzt wurde dieser Happen im Mund unseres Bruders ihm  lästig und er schluckte ihn. Die Schuhe von Onkel Rohle. Es war Weihnachten 1944. Onkel Rohle, der Vater unserer Cousinen, die bei uns Zuflucht gefunden hatten, war bei uns auf Heimaturlaub.  Er werkelte den drei Mädchen je einen Puppenwagen aus Holz und meinem Bruder eine Holzeisenbahn, auf der unser Bruder sitzen konnte. Am Weihnachtsabend verkleidete er sich als Weihnachtsmann und leitete so das stimmungsvolle Fest ein. Da sagte unser kleiner Bruder: „Der hat ja Onkel Rohles Schuhe an!“ Wie aufmerksam sind doch kleine Kinder. Und gleichzeitig vertrauen sie dem Theater, das ihre Eltern ihnen vorführen.  Wahrheit und öffentliches Theater von einander zu trennen, statt zusammen zu führen, gelingt nur wenigen Menschen. Wer ein gutes Theater vorführen kann, findet Anklang bei Zuschauern, die Spaß wollen, aber weniger nachdenken. Wer kritisch Distanz hält und die Wahrheit sagt, ist Spielverderber und lebt gefährlich. Würde die kritische Wahrnehmung von Kindheit an durch Anerkennung gefördert, erhöhte sich die kritische Hirnaktivität entsprechend. Kontraproduktiv ist in diesem Falle die Missachtung der „Beobachtung“, eine manipulierende Ablenkung oder gar die Forderung von Gehorsam gegenüber der „offiziellen“ Weltdeutung. Kinder lernen dann zu schummeln und als Erwachsene lügen sie. Kinder sind auf die Begleitung ihrer geistigen Fähigkeiten durch ihre Eltern und Erzieher angewiesen, um in die sie umgebende Gesellschaft zu finden oder gar zu passen.     Wer Theologie studiert, muss mit dem Abitur nachweisen, dass er die Reife für ein selbstständiges Arbeiten hat. Sind das nicht zwei Welten? Der Unterricht von Biologie, Physik und Chemie kommt ohne Gott aus. Die aus Beobachtung abgeleiteten Erkenntnisse machten unsere Umwelt zum menschlichen Manipulationsfeld. Geschichte stellt man uns da, als Ereignisse, die von Menschen arrangiert wurden. Im kleinen Putzger beginnt die Geschichte der Frühen Menschheit vor mehr als 300 000 Jahren, wurzelnd in Afrika vor 500 000 Jahren. Damals lächelten wir über die Berechnungen der Juden, dass die Schöpfung in 6 Tagen vor ca. 6000 Jahren durch Gott initiiert wurde. Mir riet man Jura zu studieren. Ich aber wollte Pfarrer werden. Meine Religionslehrerin bedauerte es, mir in Religion nicht eine EINS geben zu können, weil ich ihr so oft widersprochen hätte. Was reizte mich Theologie zu studieren? Die Neugier! Meine Freizeit verbrachte ich in der evangelischen Gemeindejugend. Ehemalige Gruppenführer studierten Theologie und kamen mit ihren neuen Wissen zu uns aufs Pfingstlager. Doch die lasen Aussagen aus den biblischen Texten, die ich darin nicht finden konnte. Ich stieß manche heftige Diskussion an.  Das gab mir die Gewissheit, an der Uni geistig mithalten zu können. War ich doch sonst keine große Leuchte in der Schule. In Marburg traf ich bei Ernst Fuchs auf die Bultmannschule. Da wurden die biblischen Texte kritisch gelesen.  Sie wurden  den historisch-kritischen Wissenschaften aus gesetzt. Bultmann war der Repräsentant für die Einführung der Literaturwissenschaften in die Theologie. Er verdrängte die Dogmatik und machte die Reflexion biblischer und außerbiblischer Texte  zum Mittelpunkt einer antiautoritären Moderne. Das war neu. Und neue Besen kehren gut, heißt es doch! Da war auch ein pubertärer Reiz. Wie machten wir das, dass wir aus der vermittelten wissenschaftlichen Gegenwart über den Graben in die absurde Welt der Religionen sprangen? Es war das Geflecht von Konvention, Milieu und persönlicher Betroffenheit, das mir und vielen Kollege/in/en eine Brücke bildete. Heute sehe ich den tiefen Graben bewusst. Die Kirche sieht wie alle Religionen alles Sein als ein persönliches Wirken eines Gottes. Dieser Gott stelle den Anspruch auf Gehorsam ihm gegenüber. Funktioniert diese Partnerschaft?  Die Erfahrung ist, dass wir als Sünder Gott gegenüber offenbar nicht ausreichend gehorsam sind und er uns darum nicht unsere Erwartungen erfüllt. Die Kooperation mit den Göttern ist für den Menschen überwiegend ineffizient. Der Fromme verpasst sein individuelles Leben. Die  gegenteilige Erfahrung wird gemacht: Wer sich nicht um den Willen der Götter schert, kommt weiter, wenn auch auf Kosten der Dummen und Schwachen oder der Allgemeinheit - und heute auf Kosten der Natur. Effizienter aber ist es, die Natur zu analysieren. Ihre Gesetzmäßigkeiten zu erforschen und diese Gesetze an zu wenden, ist nachhaltig. Menschliche Organisationsformen und die Entwicklung einer fortschreitenden Technologie bringt denen, die sie anwenden, Wohlstand, Gesundheit und ein angenehmes Leben.        Wir Nordeuropäer sind  so dem Hunger, der Kälte und der Not entkommen. Um Essen, Kleidung und Wohnung brauchen wir uns nicht mehr selbst mühen. Wir bekommen Geld geliehen und können uns alles auf dem Markt besorgen. Nur wenige Menschen produzierten noch für den alltäglichen Bedarf und  bedienten die produzierenden Maschinen. Technik ist in unsere Wohnungen eingezogen. Technik bewegt Güter und Menschen von A nach B. Die „Moderne“ führt uns weg aus der Vergangenheit in die Zukunft. Gott hat da keinen Stellenwert mehr. Die Zukunft ist verheißungsvoll. Die Vergangenheit ist nur noch interessant in den Erzählungen: „Es war einmal....“. Sie ist überholt. Pfarrer war für mich ein Beruf, wie jeder andere. Ein Onkel war Pfarrer. Pfarrer waren für mich geistige „Anführer“. Und das traute ich mir auch zu. Gestützt wurde ich von Kellers Buch: „Und die Bibel hat doch recht.“ Geläufig war mir auch die Meinung, dass die Wissenschaftler auch nicht auf alle Fragen eine Antwort hätten. Ich baute auf die „Wissenschaftlichkeit“ der  Theologie.  Ihre Erkenntnisse der Gemeinde zu vermitteln, war mein Ziel. Ich hoffte auf eine neue Reformation. Ich war darin immer ehrlich, - vielleicht naiv. Doch nachhaltige Ergebnisse liefert die historisch – kritische Theologie nicht.  Wir haben es nur mit Texten zu tun. Gott selbst haben wir nicht „gefasst“.   Weder die Theologie, noch die Naturwissenschaften. Die Entmythologisierung hat der wissenschaftlichen Theologie keinen Anstoß  gegeben, die christliche Liebe in die Moderne zu überführen. Die fromme Gemeinde hielt im Großen und Ganzen an der überlieferten Glaubenstradition fest.  Hätte die Theologie die Entmythologisierung konsequent befolgt, hätte sie weder vor GOTT noch  vor Jesus als „Christus“ Halt gemacht. Die Kirche wäre heute eine andere. Jesus war ein Mensch mit einer genialen Einstellung: Jedem ein Bruder oder eine Schwester zu sein. Ein Kind zu sein, ein Vater, eine Mutter zu sein. Je nach der augenblicklichen Situation. In Hingabe, nicht als Aufgabe. Darin erschließt sich  für mich der christliche Glaube.   Schoppen, Popp, Sport und Politik, Kultur und Reisen, Freizeit und Geselligkeit halten uns heute in Atem. Religion findet nur noch privat am Rande des Alltags statt. Sie ist eine irrationale Parallelwelt     Das Geschenk. Wirtschaftlich ging es uns 1945 bis 1960 schlecht. Aber zu Weihnachten schrieben wir uns Wunschzettel und zu Geburtstagen äußerten wir auch unsere Wünsche. Es ging meist um Selbstgemachtes. Mein Vater wünschte sich z.B. Kleiderbügel, die wir aus Brettern von alten VIM - Kisten aussägen konnten. Nur einmal war ich aufdringlich. Als Student im ersten Semester wünschte ich mir so intensiv einen Vierfarbendruck-stift, dass ich zwei bekam. Einen mit Bleistiftminen und einen mit Kugelschreiberminen. Zum Geburtstag schenkte mir einmal mein kleiner Bruder ein großes Paket von ca. 50X50 cm. Es war in Packpapier eingewickelt. Davon hatten wir reichlich. Denn wir verschickten viele Pakete an unsere Verwandten in der DDR und bekamen auch welche von ihnen. Die Packpapiere wurden aufbewahrt und waren interessant, da sie öfters gebraucht wurden. Wir achteten darauf,  die gleichen Packpapiere der gleichen Absender bzw. Empfänger zu verwenden. Also so ein großes Paket zum Geburtstag hätte ich nie von meinem Bruder erwartet. Er knauserte gerne.  Ich fing an, das recht leichte Paket aus zu packen. Ein Packpapier nach dem anderen entfernte ich. Es war also ein Spaßpaket. Humorvoll konnte er  sein. Aber das Auspellen des Geschenkes nahm so schnell  kein Ende. Die vielen Packpapiere stapelten sich um mich. Am Ende blieb nur noch ein ganz kleines Päckchen von ca. 3X3 cm. Und dann kam das Geschenk zum Vorschein: eine kleine gelbe Holzperle. Sie war abgenutzt und gehörte mir. Er hatte sie in unseren gemeinsamen Kinderzimmer irgendwo vom Boden aufgehoben. Ein „gelungenes“ Geburtstagsgeschenk. Was bleibt übrig nach über 60 Jahren theologischer Auseinandersetzung? Der historisch-kritischen Forschung folgend: Jesus, offenbar historisch der Jesus von Nazareth, war ein Mensch, dem die Geschichte viel angedichtet hat. Jesus war ein Kind seiner Zeit, von dem wir heute wenig Historisches wissen. Er wanderte wohl im Alter eines Großvaters als selbsternannter Lehrer durch Galiläa. Er wirkte in der Gegend um den See Genezareth, unter Fischern, Landarbeitern, Menschen, die ein mühseliges Leben hatten. Jerusalem, die Stadt mit den Frommen, den politisch verantwortlichen, war fern. Genau diese von Alltagssorgen, vielen Krankheiten geplagten und leidende Menschen waren seine  Zuhörer. Unter ihnen und mit ihnen lebte er. Und er setzte sich ab von Gelehrten und den Großgrundbesitzern. Aber er machte seinen Mitmenschen Mut. Die Zeit sei nahe, es wird sich bald alles ändern. Das war wohl seine Botschaft. „Es steht geschrieben, aber ich sage Euch ….!“ Er fühlte sich berufen, autorisiert! Ja, er glaubte die Wahrheit und Zukunft des Lebens erkannt zu haben. „Die Menschen brauchen  Liebe, die sie sich einander schenken können, dann hätten alle ein gesegnetes Leben. Leid und Freud, Zeit und Brot, Arbeit und Gedanken werden sie miteinander  ehrlich teilen. Das sei es. Gott sei nicht das, was öffentlich gelehrt werde, den man fürchten müsste, sondern  die Nächstenliebe. Gott sei ein liebender Vater, der seine Kinder liebt, nicht einer, der sie mit Vorschriften belastet. In der Zeit, wo fremde Menschen unter der Ordnung Roms den Kindern Abrahams das Leben schwer machte, werde sich eine Wende vollziehen. Der Gott unserer Väter wird endlich seine segnende Herrschaft verwirklichen. Auf diesen Tag warteten  damals viele. Jesus war sich seiner gewiss: Ihr werdet es mit mir erleben. Da Jerusalem der Mittelpunkt der Gottesherrschaft sein sollte, zog er eines Tages mit vielen Zuhörern, die es sich wirtschaftlich leisten konnten, nach Jerusalem. Der Tag des Gedenkens an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft sollte es bringen. Das sprach sich rum! Da wollten viele dabei sein. Die, die es glaubten, auch die, die skeptisch waren, aber auch nichts versäumen wollten. In Jerusalem war Jesus ein Fremder vom Lande. Es gab viele Prediger und selbsternannte Heilsprediger, die die Schriften glaubte lesen und verstehen zu können. Aber Judas hatte offenbar Beziehungen in Jerusalem und glaubte, den Stein ins Rollen bringen zu können. Aber nichts passierte. Der Himmel blieb verschlossen. Dem Hohen Rat missfiel die Schwärmerei des Volkes für den Wanderprediger Jesus. Sie wollten nicht, dass die Festivitäten, die Riten der Väter, gestört wurden und versuchten über Nacht Jesus verschwinden zu lassen. Mit der öffentliche Vorführung Jesu als Gefangenen kippte die Stimmung im „Volk“. Es  versteckte sich die Gefolgschaft aus Galiläa oder sie zog sich zurück. Der politische Rechtsbeistand der römischen Administration leistete gerne „Amtshilfe“. Jesus starb am Kreuz als Verbrecher. Was für eine Enttäuschung für die, die Jesu Zukunftsvorstellungen teilten. Das war bitter. Zu bitter. Sie wollten es nicht glauben. So träumten sie ihren Traum weiter. Am Ende kamen sie zur Überzeugung: Jesus ist  nicht am Kreuz gestorben. Er lebt! Die mit ihm erlebte Gemeinschaft hielt sie zusammen. Sie versteckten sich hinter verschlossenen Türen. Der Tag des Herrn muss doch kommen, ja er wird kommen. Das konnte doch gar nicht anders sein.  Sie machten einander Mut mit ihren Hoffnungen. Sie tauschten einander aus, was sie sich an Worten und Taten erinnerten. Ein kleiner Kreis „ewig Gestriger“. Und sie griffen zurück, auf das, was geschrieben steht: Die Tradition ihrer Väter. Daraus ließ sich sogar das Leiden und Sterben Jesu rekonstruieren, das sie selbst nicht miterlebt hatten. Aber es ergaben sich auch kritische Vorstellungen. <>   „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich!“ - Ist es nicht wahr, dass das Leben auf Erden schöner wäre, wenn wir alles miteinander teilen? Wenn Jung und Alt miteinander leben und wir  ganz gleich, ob Frau oder Mann, uns alle Arbeit teilen? Warum sollen „Fremde“ Feinde sein, sie haben zwar andere Lebensweisen   und Lebensvorstellungen, aber das ist doch interessant! Kriege bringen Leid und Not. Wenn jeder vor seiner Türe kehrt, ist doch Ordnung. Den Nachbarn schlecht machen, heißt nicht in den eigenen Spiegel sehen zu wollen. - Im Glaube an die Liebe, ist Jesus ins „Wort“ auferstanden. Von diesem Glauben leben wir Christen. Unsere Körperlichkeit ist vergänglich: Asche!  - Aber bei Gott im Himmel wird es anders sein! ? - Am Kreuz holte die Wahrheit Jesus von Nazareth ein. „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ - Daran hat sich bis heute nichts verändert. Der Himmel ist und bleibt verschlossen. Ihn gibt es nicht. Es ist die Enttäuschung der Masse der Menschen. Lüge, Elend, Leid, Ungerechtigkeit trifft,  ohne Ansehen der einzelnen Person. Ohne Verdienst und Schuldigkeit haben wenige „Glück“. Alle Erklärungsversuche der zu kurz gekommenen wie der Glücklichen, sind Versuche, den Glauben zu retten. Am Ende aller Logik bleibt immer ein Rest von Fragen. Gott ist unberechenbar. Für viele  ist es und bleibt es tröstlich, dass es nach dem Leben eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Doch das ist Glaube und keine Gewissheit.   Wie ehrlich ist doch die christliche Tradition: Es gibt keinen Gott, der Jesus vom Tode bewahren konnte. Die jüdische Tradition in Bezug auf den Tod scheint realistischer zu sein! Das individuelle Leben endet mit dem Tod. Es bleibt Erde und Asche. Eben „Atomstaub“. Besten Falls bleibt der durch die Tradition vererbte „Geist“, die blühende Fantasie der Menschen, die sich weiter entwickelt.              Schluss. Unser kleiner Bruder lebt heute in einem geschlossenen Heim. Das ist die rechtliche Konsequenz für das Leiden an einer durch Alkohol bedingten Demenz. Er war Diplom Ingenieur bei Siemens, der in den vorzeitigen Ruhestand musste. Träume reflektieren die Erlebnisse des Tages im Schlaf. Ich träume immer. Wenn ein Tag aufregend war, geleiten mich aufregende Träume in den Wachzustand. War es ein 0/8/15-Tag, verschwinden die Träume im Erwachen. Heute Morgen (20.05.2019) träumte ich: Ich bin in Unterwäsche in eine Turnhalle getreten. An der linken Seite ist ein kleiner Bezirk von etwa 1,5 m in der Breite und 2 m in der Länge mit einem bunt gemusterten Badetuch wie ein Strand-Wind-Schutz abgetrennt, der von links mit Warmluft bepustet wird. Ich stehe darin. Weit und breit kein Mensch. Ich soll heute in den Orbit der Erde geschossen werden. Man bittet mich, meine eigene Unterwäsche aus zu ziehen. Nach der Mittagspause, wenn alle Schüler wieder in den Klassen arbeiten, wird man mich starten. - Nein, Unterwäsche bekomme ich gestellt, wie den Raumanzug, aber erst in der nachfolgenden Sendung. Ebenso das Essen. Danach werden  die einzelnen Teile  für die Raumstation folgen, die ich dann erst zusammensetzen soll. Ich müsse ja im Orbit, wo ich alleine bin, auch etwas zu tun habe. Dass aber nach dem Abheben aus der Halle ich in die Kälte komme, ja in eine tödliche Kälte komme, ist offenbar nicht von Relevanz. Ja, ich isoliere mich mit meinen theologischen Gedanken total ins Abseits. Wenn die „Entmythologisierung“ konsequent zu Ende geführt wird, ist Jesus nicht mehr als eine kleine Holzperle. Abgenutzt, der nur Reste von einem Gelb anhaften. Keine weitere Perle, keine Schnur, zum Aufziehen, um eventuell mit anderen Perlen eine Kette zu bilden. Der Mensch ist eben religiös, von seiner Art als Lebewesen her. Religion ist das Produkt des frühen menschlichen Geistes. Das Hauptprodukt? Nein, das ist die Wissenschaft. Wissenschaft arbeitet sich an den Atomen ab. Eine Form der Konsistenz von Energie. Ständig im Wandel. Tobendes Chaos, ohne Sinn und Verstand. Nichts bleibt unbewegt oder gar in einer festen Bindung. Von Wertigkeit des Lebens eines Menschen bleibt allein seine einmalige „Persönlichkeit“ und seine ihm gerade bewusst werdenden Erinnerungen. Warum besucht man sich, sucht Kontakte? Um sich etwas zu erzählen. Aktuelles, wenn es aufregt. Neuigkeiten! Wiederholungen langweilen. Damit kann man keine Zeit totschlagen. Um das Leben lebenswert zu machen, brauchen wir Menschen  u.a. die täglichen Nachrichten, die Beschäftigung mit Kunst in welcher Sparte auch immer, Softopern, Krimis, Klatsch, Waldbaden oder Pilgern.   Darum sind Trauerfeiern die Höhepunkte einer Persönlichkeit. Nur leider hat der Verstorbene daran keinen Anteil. Tja, ansonsten ist der Mensch eine Konglomerat von Atomstaub, angemischt mit 90 % Wasser, ein Nichts. Im Kosmos, im Weltall, das wir bestaunen, ein 0,0 - Nichts. In jungen Jahren ist man die Hoffnung in Person. Man ist später selbst voller Hoffnung und für andere eine Hoffnung. Mehr oder weniger. Als Erwachsener, zu früh oder zu spät, ein Rädchen im Getriebe, das selbst große oder kleine Räder dreht. Als Ruheständler ausgemustert, wenn er nicht etwas zu erzählen hat. Ansonsten ein Objekt, um das man sich kümmern muss oder der selbst „bekümmert“ ist um die Gegenwart. Oder eben beides. Das Leben ist „kafkaesk“.       <> Texte, Texte! Aber Gott selbst? Wo haben wir uns ihm im Studium nähern dürfen, wo wurden wir an ihn herangeführt? Was ist die Brücke? Gotteserfahrungen lassen es offen, ob diese Begegnungen nicht Zeugnisse der Arroganz sind? Haben wir nicht zeitbedingte Mandate? „Und die Bibel hat doch recht!“  Auch die Wissenschaften stoßen an die Grenze von vielen offenen Fragen, wo die  Religion mit „Gott“ antworten kann. Der Mensch, der Kriege führt und die Natur zerstört und ausbeutet. PS unter der „Haube“ wird zu KW. Sandmännchen statt Abendgebet. Früher war Gott ein gefragter Mann, den die Kirche vermittelte. Aber Hilfe kam selten ins Haus. Heute bietet der Markt alle nötigen, möglichen und unmöglichen Dienste an. Der Staat überwacht alles, die Kirche ist nur noch Teil eines Museums. Was als 6000 jährige Geschichte zelebriert wurde, ist als eine 13,6 Milliarden Jahren währende Eigendynamik  erkannt worden, mit offenen Ende. <> Der gestrige Tag (21,.5.) war stressig. Ich hatte ein Problem mit meinem linken Auge. Zwischen 8°° und 12°° Uhr hatte ich kristalline Splitter und wenn ich abhustete, empfand ich einen Schmerz über meiner rechten Schläfe.  Mich beunruhigte diese Beobachtung. Ich appellierte an meine Selbstheilungskräfte in der Nacht. Der Traum am Morgen: Ich werde mit einem Truck zu einem Konzert in dem Nachbarort fahren. Ich, der ich weder einen Führerschein dafür habe, noch je am Steuer eines solchen Monsters saß. Ich besteige den Führerstand. Meine Mutter wird mitkommen. Sie hat eine zusammenfaltbare Tasche der Lufthansa mit Kleidungsstücken in der Hand. Sie kommt angelaufen, wirft die Tasche in den „Kofferraum““!!! und setzt sich zuversichtlich neben mich. Ich kann nicht durch die Windschutzscheibe schauen – im Nach herein ein Traummotiv aus meinem Traumgedächtnis: Ich fahre ein Auto und kann nicht sehen, wohin ich es steure. -  Der Sitz ist nicht richtig eingestellt. Ich ziehe ihn vor, lass ihn höher werden. Der Truck ist schon in Fahrt. Aber die Straße ist eng, andere Autos und Menschen sind um uns herum. Ich lenke linksherum, nicht wissend wohin. Fahre mich auf einem Parkplatz fest, neben einem schwarzen SUV. Ich will zurück setzen, touchiere das Fahrzeug. Es ist alt, scheint nichts abbekommen zu haben. Will weiter fahren, schubse dabei das Auto zur Seite. Nun merke ich, dass der Auflieger nicht richtig eingehakt ist. Nur ein grünes Stoffband. Ich korrigiere den Mangel. Ein verrückter Traum. Er beschäftigt mich den ganzen Tag. Des Rätsels Lösung scheint zu sein: Ich nehme meine Träume zu ernst, ja persönlich. Es gäbe da ein „ICH! Oder einen Gott in mir! Eine Kraft, die mit mir korrespondiert. Persönlich korrespondiert. Diese Einstellung muss ich wohl korrigieren. Träume mögen zwar Erlebtes aus dem Tag verarbeiten u.a.a. Indem sie an andere Ereignisse und Erlebnisse anknüpfen, Stimmungen aufgreifen, die nach „Orientierung“, Einordnung oder Erklärungen suchen, aber das scheint alles zufällig zu sein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Träume oft so absurd oder „himmlisch“ sind. Sie bedürfen immer unserer Überprüfung, und bieten viele Interpretationsmöglichkeiten. Sie sind keine verlässlichen Wegweiser. Die Verantwortung für mein Träumen, Denken und Handeln habe ich. Also auch der „GOTT in uns muss entmythologisiert werden. Meditationen, Einfälle und Ideen sind „Glücksache“, zufällige Produkte der menschlichen Hirntätigkeit. SW.S.: Allein der Mensch sucht nach dem Sinn des Lebens. Da es den in der Natur über den Selbsterhalt nicht zu geben scheint, hat der Mensch die Freiheit selbst seinem Leben einen Sinn zu geben. „Be your own chairman!“.        (22.05.2019)  
Gemeindeleben,