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Eine boshafte Geschichte.
In der Berliner Nikolaikirche gibt es eine Darstellung, die zeigt am Rande des Stalles, in dem Maria und das
neugeborene Kind „Besucher“ empfangen, wie Joseph eine Suppe kocht. Schön provokativ, wo doch Männer als Herren
im Hause gesehen werden und der Haushalt von Frauen zu bewerkstelligen ist.
Aber die Perspektive von Joseph ist noch viel schlimmer.
Joseph ist seine Nichte anvertraut worden. Selbst hat er keine Frau bekommen, war er als Zimmermann offenbar keine
lukrative Person oder er persönlich als Ehepartner nicht vermittelbar war. Vielleicht war er zu gutmütig  und verkaufte
sich immer unter Preis. Aber gut genug, eine seiner Nichten in Fürsorge zu nehmen, die offenbar nichts in die Ehe
bringen konnte, weil sie Vollwaise war.
Aber damit nicht genug. Was andere ihm zutuschelten und er dann auch bemerkte: Sie war schwanger. Das war ihm
nun doch zu viel. Mit dieser Schande wollte er nichts zu tun haben. Nein, was sollten die Leute nur von ihm denken.
Statt sie zu behüten, kam er nun in den Verdacht, sie als Schutzbefohlene missbraucht zu haben. Hatte er doch bisher
keine Frau abbekommen. Aber sie nun aus dem Haus zu schmeißen, das konnte er in seiner Selbstlosigkeit nicht übers
Herz bringen. Dieser Gewissenskonflikt verunsicherte ihn am Tag und bereitete ihm schlaflose Nächte. Davon erlöste
ihn letztlich ein Traum.
Matthäus 1, 20f: Mt 1,20
siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine
Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat,
das ist von dem heiligen Geist.
(21) Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren
Sünden.
War der Engel, der ihm die fantastische Botschaft brachte nur der Schaum eines Traumes? Wer mag es ihm glauben,
wenn er den Nachbarn erklärte: Dieses Kind ist vom „Heiligen Geist“.  Wo gibt es denn so etwas! Für seinen Traum
Hohn und Spott ernten? Wer nimmt ihn nun noch ernst, den frommen „Joseph“ und gibt ihm noch Arbeit, diesem
„religiösen Spinner“?
Im religiösen Gleichmut sagte er: Gut, ich behalte Maria und ich verlasse auch nicht heimlich das Dorf um anderswo als
Wanderarbeiter Zuflucht zu suchen.
Er ließ die Gerüchte an sich abperlen. Dann kam der Tag der Geburt des Kindes. Nachbarinnen halfen der Maria und er
gab dem Kind den Namen, den ihm der Engel vorgegeben hatte. Auf sein Recht der Namensgebung zu verzichten, war
noch das geringste Opfer.   
 Hatte er gehofft, nun tritt Ruhe ein im Haus, klopfte es nächtens an seiner Tür. Er schob die Riegel auf und  traute
seinen Augen nicht: Im hellen Glanz der Sterne – bald darauf erfuhr er, es war nur ein Stern – standen REISENDE mit
Ihren Reittieren vor seinem Haus. Die wollten zum Kind!- Nicht zu ihm!  Schon gar nicht zur Mutter. Sie wollten das
schlafende Kind besuchen. Sie fragten aber nichts aber sie erzählten ihm etwas, was er nicht verstand. Es waren wohl
Ausländer.  Sie schauten das Kind mit großen Augen an. Ehrfurchtsvoll.  Und dann legten sie vornehme Geschenke auf
den Boden vor dem schlafenden Kind und verschwanden ganz schnell.
Als die unheimlichen Besucher gegangen waren, schaute er sich die Geschenke an. Weihrauch? Wofür? -  Myrrhe? –
Wofür? – So etwas braucht man nur im Tempel von Jerusalem! Und Gold!! -  das hatte er noch nie in Händen gehabt,
höchstens Silberlinge.  Gold, das haben doch nur die Reichen!  Was soll der Säugling damit?  Wer im Dorfe hätte
Verwendung dafür, wenn er es ihm anböte?  Maria war darüber auch nicht weniger verwirrt. Aber Maria war von der
Geburt so schlapp, dass sie schnell wieder in einen erholsamen Schlaf fand. Anders Joseph. Er verstand das alles nicht,
was ihm das Leben als Schicksal zumutete. Gegen morgen schlief er dann doch ein. Aber nur kurz. Denn wieder
verstörte ihn ein Traum. Wieder erschien ihm ein Engel und gab ihm Weisung:
Mt 2,13
Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn
Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.
Joseph, der noch nie über die Gemarkung seines Dorfes Betlehem hinaus gekommen war, sollte nach Ägypten fliehen?
Gehört hatte er schon von dem Land, aber das war ja so weit weg! Die Urahnen hatten von dort kommend über 40
Jahre gebraucht, um in das Land seines Vaters zu kommen.  Und das sollte nun sofort und heimlich geschehen! Wen
konnte er nach dem Weg fragen ohne sich verdächtig zu machen? Wie sollte er die Reise finanzieren. Die Geschenke in
Silberlinge um zu tauschen, wer würde das machen? Keiner würde ihm glauben, woher er das Gold habe, das hatte nur
Herodes und der trachtete angeblich ja gerade nach dem Leben des Kindes seiner Verlobten.  – Ja geht das überhaupt,
mit einer Verlobten zu reisen? Und das in Ägypten, wo doch Abraham fast seine Frau an den Pharao hätte abtreten
müssen, als er sie als seine Schwester ausgab. Also musste  er jetzt erst öffentlich Maria zu seiner Frau nehmen!    All
diesen Problemen konnte er nur in einem naiven Gottvertrauen entgegen gehen. Vielleicht trifft er ja auf einen
ehrlichen Kaufmann aus Samarien!
Als er Jahre später wieder nach Isreal zurückkehren konnte, traute er sich nicht nach Bethlehem zu gehen. Denn er
hatte gehört, da erzählte man sich, er sei dort ein Obdachloser gewesen und sein Kind sei in einem Stalle geboren
worden. Nicht Könige, sondern eine Gruppe von heimatlosen Hirten habe sie besucht. Also ging er nach Nazareth, ein
Ort in dem seine Familie seit Menschengedenken ansässig war.
Mittlerweile war Joseph der Vater von  4  Söhnen geworden. Die Töchter zählten ja nicht, obwohl er sie alle ernähren
musste. (Markus 6 Verse 1-4//) Schließlich hatte er als frommer Jude auch seine ehelichen Pflichten zu erfüllen. 
Gewiss, die Söhne halfen ihm bei seiner Arbeit, die Töchter unterstützten seine Frau  Maria. Aber der „Älteste“, der ja
nicht „seiner“ war, hielt nicht so viel vom Handwerk des Zimmermanns. Er fühlte sich zu etwas höherem berufen: Er
wollte Gott als seinem Vater dienen. Rabbiner werden! (Lukas 2 Vers 41ff). Als Levit konnte er ja Priester werden ( Lukas
1 Vers 36). Insofern war Jesus  in der falschen Familie groß geworden. Auch die Kinder von Joseph sah Jesus nicht als
seine Geschwister an. (Matthäus 12 Verse 46 ff).
Zum Glück waren die jüngeren Brüder fleißige Zimmerleute geworden. Und als Joseph alt und müde des Lebens seine
Augen schloss, verließ dieser Jesus seine Familie. Maria aber überlebte Ihren Erstgeborenen. Sie kam mit ihrem Sohn
Jakobus nach Jerusalem, wo dieser nach Petrus die erste christliche Gemeinde anführte ( Galater 1 Vers 19). Der
Lieblingsjünger Jesu - Jugendliche Johannes -nimmt sie unter dem Kreuz Jesu als seine Mutter in Obhut (Johannes 19
Verse 26/27). Ihm folgte Maria auch nach Ephesus. Ob sie dort starb oder in Jerusalem, verschweigt die Tradition. Und
das aus gutem Grund: Die Heilige Römisch-katholische Kirche verwaltet die Geheimnisse Gottes.
So erfährt Das Heilige Römische Reich erst 431 nach Christus, dass Maria die Gottesgebärerin ist. Für die Juden ist das
eine  weitere Gotteslästerung gewesen, aber die hatten keinen politischen Einfluss 8und Mohammed wurde erst um
570 nach Christus geboren. Ein weiteres Geheimnis um Maria, der Mutter Jesu wird uns erst 1950 von Papst Pius XII
bekannt gemacht, dass Maria als unbefleckte und immer jungfräuliche Gottesmutter mit Leib und Seele  zur
himmlischen Herrlichkeit aufgenommen ist. – Na denn!
Ob wir noch weitere Geheimnisse über Maria oder gar über Joseph erfahren werden, wird die Geschichte zeigen.
(H-E.S. 17.0.2013.)
Volksfrömmigkeit,Mariologie,Epiphanias