Meine Schulerinnerungen.
Ich erinnere mich nur an meinen Schulweg, vorbei am Polizeipräsidium. Morgens war es meist kühl, aber auf
dem Rückweg setzte ich mich gerne in eines Kellerfenstersimse des Präsidiums. Da schien schön die Sonne
und ich konnte verweilen. Auch sehe ich noch vor mir, ein oder zwei Fesselballons, die in der Nähe der Schule
„Am Schwarzen Meer“ am Himmel schwebten, festgehalten an Seilen.
In der Winterzeit kam eines Tages der „Weihnachtsmann“ in unsere Klasse. Die Fenster waren mit Bunten
Bildern zugeklebt. Es gab auch Rollos, die manchmal zur Verdunklung am Morgen heruntergezogen wurden.
Ja und der Weihnachtsmann hatte einen großen Sack bei sich. Er sprach die einzelnen Schüler an und gab
ihnen der Reihe nach ein kleines Päckchen. Dann kam er auch zu mir, der ich vorne in der mittleren Reihe saß.
Da mischte sich die Lehrerin ein: „Nein, der braucht kein Päckchen! Der hat zu Hause alles!“ da ging ich denn
leer aus. Verstanden habe ich es nicht, denn von der Not anderer Kinder, meist angeblich Arbeiterkinder, deren
Väter im Krieg waren, wusste ich nichts.  
Meine zweite Schule, die ich besuchte, war die Einklassenschule in Eberhardsdorf. Daran habe ich keine
Erinnerung. Vielleicht, wenn nicht von meines Onkels Werners Erzählung vermischt, dass der Lehrer mal oder
öfters zum Mittagstisch auf den Hof kam.
Die Dritte Schule besuchte ich in Danzig-Langfuhr. Hier kam ich in die zweite Klasse. Aber auch hier keine
Erinnerungen. Nicht einmal eine Ahnung vom Gebäude hatte ich und ich erkannte es auch nicht wieder, als ich
das Gebäude mit Katja aufsuchte, wo heute eine Filmakademie untergebracht ist. Aber ich erinnere mich, dass
ich im Sommer 1944 oft früh mit meinem Vater zusammen frühstückte und danach noch Zeit hatte, ehe ich zur
Schule gehen musste und draußen spielte. So hatte ich eines Morgens Regenwürmer aus der Erde gezogen und
stopfte sie mit Gewalt in das feinmaschige Drahtgeflecht vor einem der Kellerfenster. Von der Schule zurück
musste ich feststellen, dass sich die armen Kreaturen nicht hatten befreien können, sondern vertrocknet fest
steckten.
Eines Morgens machte ich Theater machte und wollte nicht zur Schule gehen. Da machte meine Mutter  den
Vorschlag, dass dann ja meine Schwester für mich gehen könnte. Da hätte meine Mutter beinahe Pech gehabt.
Meine Schwester griff freudig nach meinem Ranzen. Das rührte aber an meinem Ehrgeiz und ganz verbiestert
entriss ich ihr den Ranzen und verließ das Haus.
An den Rückweg von der Schule habe ich dagegen „abenteuerliche“ Erinnerungen. Am unteren Anfang des
Jeschkentaler Weges sah ich ein Fuhrwerk der Firma meines Vaters. Da stieg ich auf, um ein Stück
mitgefahren zu werden. Doch da bekam ich Ärger. Ein Lehrling sah mich auf dem Wagen, als er im Verlauf
einer Lieferung zum Fuhrwerk zurück kam und mich sah. Er schimpfte mit mir. Es half nichts, zu erklären,
dass das „unser Fuhrwerk“ sei. Er kannte mich nicht, ich ihn auch nicht. Dann kam aber Joseph und klärte den
Lehrling auf und ich durfte selbstverständlich ein Stück mitfahren.
Ein anderes Mal gab es Fliegeralarm. Ich hatte schon mehr als die Hälfte des Schulheimweges hinter mir. Die
Abmachung, in einem solchen Falle zu Tante Gunhilde (Solling= Onkel Hugos Mutter) zu gehen, kam nicht
mehr in Frage. Wozu auch! Auf dem Jeschkentaler weg waren Männer damit beschäftigt, Nebeltonnen zu
öffnen. Das war interessant. Ich schaute zu, aber nicht lange, da scheuchten mich die Männer, nach Hause zu
gehen. Aber ein Stück des Weges weiter, waren andere Männer dabei, ebenfalls aus den Nebeltonnen das Gas
abzulassen. Also blieb ich wieder stehen und schaute interessiert. zu.
Im Januar 1945 gingen wir „auf die Flucht“. Ich hatte meinen Schulranzen, einen Tornister aus Plastik mit
einem Ponnyfell als „Zuklappe“ auf dem Rücken. Onkel Siegfried hatte ihn mir zum Schulanfang geschenkt.
Nun diente er als Transportmittel für Marmelade, Butter, Brot und manches mehr, an was ich mich nicht
erinnere. In der Brottasche hatte ich gemachte Brote.  Meinen „Seppel“, den mir meine Omi (Werner)
ausgerüstet mit einem Schulranzen mit kleiner Schiefertafel und kleinem Schreibheft und einer Brottasche
geschenkt hatte, musste in Köslin bleiben.
In Stadthagen wurde ich in die Schule geschickt, aber daran habe ich keine Erinnerungen, nur an die
Nachbarschaftskinder, mit denen wir „Fangen“ spielten: „Herr Meier, Herr Meier, was kosten die Eier“ riefen
wir laut. Das wurde mir von Mutti aber bald untersagt, denn wir wohnten bei einer Frau Meier in der Ockersstr
Nr. 9. Eines Nachmittags spielten wir bis in den Abend hinein. Wir hatten uns Rucksäcke gepackt und diese in
„unserem Lager“ deponiert. Doch am nächsten Morgen ging es unerwartet mit Papa, der am  zu uns gestoßen
war, per Anhalter nach Schwerin.  Den Rucksack durfte ich nicht mehr holen.
Mein Vater hatte  von Danzig aus Kisten mit Gegenständen aus unserem Haushalt  verschickt und die
Nachricht bekommen, dass diese in Rostock angekommen seien. Die wollte er abholen. – Er bekam sie, aber
sie waren geplündert worden.
Hier wohnten wir in Gadebusch bei einer Pfarrerswitwe. Für den Schulbesuch brauchte ich Schulhefte. Die
gab es nur gegen Ablieferung von (2 kg?) Altpapier. Dieses Papier zusammen zu sammeln hatte ich keine Lust.
Ich hoffte so, ohne Heft in die Schule gehen zu können. Aber Mutti bekam die notwendigen Hefte auch ohne
die erforderliche Menge Altpapier. Dann ging mir „zum Glück“ die Schiefertafel kaputt. Wieder setzte sich
Mutti für einen Ersatz ein. Eine Tafel trieb sie auf, mit einer ganz dicken Schieferplatte. Nicht nur das! Sie
hatte engere Zeilen. Vorne zum Schreiben zwei Zeilen mehr als die alte und auf der Rückseite auch mehr
Kästchen. Nun war ich angeschmiert. Wenn es galt eine Seite „Schönschrift“ zu machen, waren a) die Zeilen
länger und b) es gab zwei zusätzliche Zeilen zu beschreiben.
An die Gadebuscher Schule habe ich ansonsten keine Erinnerung. Nur ganz allgemein: Es fiel oft der
Unterricht an den einzelnen Schulen aus, weil es Kohlenferien gab. Das war natürlich damals für mich eine
„Entlastung“.
Der Russe kam näher. Meine Eltern zogen aus allen umlaufenden Informationen den Schluss: Hierher kommen
die Russen. Die „Engländer“ seien die zivilisierteren „Besatzer“ die wir zu erwarten hatten. Also ging es
weiter nach Schleswig-Holstein.
 (26.4.45) In Eckernförde wohnten wir für ein paar Tage bei Tante Hilda, - zur Not gelitten. Dann fand mein
Vater eine Wohnung in der „Villa“ des Landrates, wo ansonsten noch eine Frau Matthiessen lebte. Vom
Mühlenberg 4 aus besuchte ich die Schule in Eckernförde am „Exerzierplatz“. Hier spielten wir nach dem
Unterricht Fußball. An den Unterricht kann ich mich nicht erinnern.
Dann kamen die Engländer nach Eckernförde. Die Schule wurde von den Besatzern genutzt und die
Schuleinzugsgebiete verändert. Ich musste nach Borby in die Schule. Erinnerungen? – Keine. Es waren wohl
auch nur wenige Tage, denn musste ich wieder in die Stadt, irgendwo am Rande der Innenstadt standen
Holzbaracken. Wieder lauter neue „Schulkameraden“.  Mein Desinteresse, neue Namen zu lernen, mag an
diesen vielen Schulwechseln liegen. Es lohnte sich ja nicht. Und Freundschaften oder Kameradschaften konnte
ich eh keine schließen, da mich Mutti schon im Vorstädtischen Graben in Danzig gerne von anderen Kindern
fernhielt und in unserer Familie selbst genug geboten wurde.
Nur eine kleine Freundschaft in Eckernförde  entstand. Ich lernte eine Klassenkameradin(?)kennen, die mit mir
den gleiche Schulweg, nachdem wir am 26.06 19498 in die Schleswiger Landstraße Nr. 78 umgezogen waren.
Ich hatte den längeren Schulweg bis zur Eisenbahnbrücke. Dieses Mädchen wohnte in einer nahe gelegenen
Siedlung, die abseits der Schleswiger Landstraße liegt. Dahin begleitete ich sie nach Hause und holte sie auch
auf dem Wege zur Schule ab. Meine erste Liebe oder interessante Gesprächspartnerin.
Doch die vielen Schulwechsel oder vielleicht auch meine Schulschwäche, die meine Mutter später als
Legasthenie vermutete, machte es nötig. Dass mir die Töchter von Tante Irma (Schulz, geb. Papke) in Borby
bei den Schularbeiten halfen bzw. gegen eine kleine Bezahlung Nachhilfe gaben. Tante Irma strickte auch für
uns, was meine Mutter erst noch lernen musste. Da Daggi und Dietlinde selbst noch zur Schule gingen, fand
Mutti den alten Lehrer Uschkureit  in der Nähe des Marktes in Eckernförde, zu dem ich nun regelmäßig ging,
um nachzuholen, was noch fehlte.
Am 26.08.1948 um II Uhr – am Sonntag davor war die Währungsreform – fuhren wir mit unseren Sachen, in
Kisten, die ich auf dem Fischmarkt organisiert hatte mit dem LKW einer Umzugsfirma nach
Weinheim/Bergstraße. Dort kamen wir am 27.08.1948 um 16 Uhr in der Obergasse 20 an. Ich wog damals 63
½ Pfund, laut Kalendernotiz meines Vaters.
In damaligen „Baden“ war der Schulbeginn im Herbst. Als Nachzügler durfte ich noch schnell die
Aufnahmeprüfung für das Gymnasium machen und bestand sie. Ich kam in die „C“-klasse.
Da waren die Dörfler und Flüchtlinge versammelt. Den meist badischen Dialekt der Mitschüler und der
vereinzelten Hessen machten mir Verstehensschwierigkeiten. Meine Eltern nahmen mich wieder aus dem
Gymnasium heraus und ich ging für den Rest des Schuljahres in die 5. Klasse der „Knabenschule“ in der
Albert-Ludwig-Grimm Str. Ein Tolles Gefühl war das damals, zu den Älteren zu gehören. Da ich auch oft
Bonbons mit in die Schule brachte, waren die Jungen der Familie Kies aus der Grundelbachstrasse meine
Freunde. Die „kontrollierten“ diese Straße, bzw. das „Gorxheimer Tal“. - Kinder, die zum Turnerbad gehen
wollten, riskierten es, hier belästigt oder verdroschen zu werden. Ich brauchte mich nicht zu fürchten.
Aber die Schule bereitete mir gleich einen großen Schrecken. Unser Musik- und Klassenlehrer, Herr
Oberländer, gab uns Liedverse eines Liedes zu lernen auf, von dem die Klasse hatte schon die Strophen 1-2
gelernt hatte.  Nun sollten die Strophen 3-4 gelernt werden. Für mich ein zeitaufwendiges Unterfangen. Aber
ich konnte sie, als die nächste Musikstunde anstand. Nur! Ich sollte aber die erste und zweite Strophe 
aufsagen. Die hatte ich nicht gelernt, da das eine Hausaufgabe war, als ich ja noch nicht in der Klasse war. Das
ließ der Lehrer Oberländer aber nicht gelten. Ich musste vortreten und bekam mit dem Geigenbogen einen
Schlag auf die innere Handfläche. Das war „gemein“!
Aus irgendeinem Grund musste ich auch einmal nachmittags zur Schule. Da kam ich an der Ausgangstüre der
benachbarten Mädchenschule vorbei. Die Türe öffnete sich und eine Schar Mädchen kam herausgestürzt und
eine bespuckte mich. Die griff ich mir. Da gab es großes Geschrei. Der Herr Kaplan kam heraus, bei dem sie
gerade Religionsunterricht gehabt hatten. Die Mädchen wandten sich hilfesuchend an ihn, beschuldigten mich,
dass ich sie schlage. Meine Entgegnung wurde nicht akzeptiert und ich wurde gerügt!!
Ein erniedrigendes Gefühl war es, als ich das nächste Schuljahr am Gymnasium antrat. Direktor war Herr Dr.
Pfeiffer, ein sehr Schülerfreundlicher „Rex“.  Da waren wir die Kleinen und benahmen uns auch so: Wir
machten die älteren an und liefen weg, in der Hoffnung, ihnen zu entkommen.
Aber Glück hatte ich. Ich kam in die a-Klasse. Hier waren die Söhne und Töchter aus den besseren Familien
Weinheims versammelt. Vielleicht machte es Eindruck, dass mein Vater Mitinhaber der Nahrungs-und
Genußmittel - Großhandlung „Skwarra und Schulz GmbH“ in der Hauptstraße 47 in Weinheim a.d.B. war.
Ansonsten hatte man als Flüchtling in Weinheim schlechte Karten und kam in die b-Klasse.
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Bevor ich meine Erinnerungen an meine Gymnasialzeit aufschreibe, muss ich erst eine Korrektur an den
aufgeschriebenen Erinnerungen einfügen.
Auf der Suche nach meinen Zeugnissen fand ich ein Schreibheft aus der dritten Klasse in Eckernförde. Dieses
Heft enthält meinen ersten persönlich verfassten Lebenslauf. In ihm berichte ich, dass ich in „Eberhardsdorf“ =
Jarischau/Jaruschewy eingeschult wurde, aber bald nach Danzig zurückkehrte  und dort die
„Knabenbürgerschule“ besuchte. In meiner Erinnerung heiß sie „Schwarzschule“ und ich glaube, dass diesen
Namen meine Mutter  gebrauchte. Vielleicht gab es da ja auch einen nationalistisch gefärbten
„Namenswechsel“ wie ja auch Jarischau angeblich nach mir umbenannt wurde, weil mein Großvater dort
Bürgermeister war und ich der erste männliche Erbe der „Schulzens“ war. Wann Onkel Benno dort
Bürgermeister wurde, weiß ich nicht. Aber „Udos Dorf“ hätte vielleicht nicht so gut geklungen.
In diesem Lebenslauf steht dann auch, dass wir in Februar (1944?) wieder zurück nach „Eberhardsdorf“
mussten - wegen der Bombengefahr in Danzig. Im Juni kehrten wir dann wieder nach Danzig zurück, wo mein
Vater in Langfuhr, im Kirchenstieg 3 das Haus eines Bäckers zu Ende gebaut hatte, der wohl eingezogen war.
Von dort besuchte ich dann die „Schlageterschule“ auf der auch Bodo seine Schullaufbahn begonnen hatte,
angeblich auch Günther Grass.
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Im Weinheimer Gymnasium
Die Gymnasialzeit in Weinheim weckt viele schulische Erinnerungen. Sie ist von den Namen der Lehrer
geprägt.
Studienrat Guldner, Englisch, - Studienrat  Kreimes, Mathematik. -  Dr. Kappler, Französisch und
Erdkunde. - Studienrat Reinhard,  – Professor Felsch, Mathematik. –Studienassessor Dr. Pönisch,
Deutsch -  Bielka, Latein – Frl. Freudenberg, Deutsch, - Herr Hauk, Latein - . Herr Oberst, Musik. –
Herr Schneider, Sport. –  Herr Edinger, Kunsterziehung. – Studiendirektor Haury. -  Pfarrer Fahr,
Religion.
Anfangen will ich mit Pfarrer Fahr. Ein aufrechter Mann, der die Religionsstunde mit einem Kirchenlied
begann und einem anderen Kirchenlied beschloss. Den Gesang begleitete er mit Handzeichen. Vor seiner Brust
hielt er die Hand waagerecht und zeigte damit immer die Höhe der Töne an. Als Schulandachten eingeführt
wurden, - immer Montagmorgen zum Wochenbeginn - leitete er dazu Oberschüler an. Es waren überwiegend
die älteren Führer  und Mitglieder der „Evangelischen Jungenschaft, die Deutschritter“., Die meisten
studierten  später auch Theologie.
Pfarrer Fahr konnte interessant erzählen, ließ uns viel auswendig lernen, hörte das Gelernte ab und gab dafür
auch Noten, die er in sein Notizbuch eintrug. Ich hatte jedoch mit dem Auswendiglernen immer Probleme. Das
war so quälend und behinderte eines Sonntags Morgens die Familie so sehr den Start zum gewohnten
Spaziergang, dass mein Vater mich vom Religionsunterricht abmelden wollte. Dem widersprach meine Mutter
und ich hätte das auch nicht gewollt. Meine Geschwister standen um mich herum und lernten in der
„Wartezeit“ mit mir mit, sodass sie die Liedverse vor mir aufsagen konnten.
Herr Edinger war mein liebster Lehrer. Er erzählte uns zu Beginn der Doppelstunde ein Märchen. Daraus
sollten wir uns dann eine Scene aussuchen und diese zeichnen und dann mit Wasserfarben ausmalen. Diese
Gestaltungsfreiheit beflügelte mich. Es gibt auch ein Foto aus dem Zeichenunterricht, das zeigt, wie ich einem
Klassenkameraden beim Malen helfe. Herr Edinger regte uns auch an, Ausstellungen in der Dürerschule zu
besuchen, wenn er das mal nicht auch mit einer Exkursion eingeleitet hat. Ich wurde zum „Van Gogh“-Freund.
Ein Künstler, für den damals noch geworben werden musste. Die Weinheimer hingen noch immer an der
„völkischen“ Kunst. Auch Pfarrer Dr. Grünnagel beackerte Weinheim mit Bildern von van Gogh und das sogar
von der Kanzel.
Herr Edinger gab mir auch den Anstoß, mich für Ölmalerei zu interessieren. Ich kaufte mir ein Buch. Das
beschrieb, wie man Farben selbst herstellen konnte. Ich besorgte mir die Farbpulver und Mohnöl, rührte mir
die Farben selbst an, füllte sie in entleerte Zahnpastatuben und los konnte es gehen. Schwingübungen machte
ich auf der Rückseite von Tapetenmustern. Eine Staffelei baute ich mir und versuchte mich an Ölbildern auf
von mir gefirnissten Pappen. Farben und Bilder, wie die Schwingübungen habe ich bis in die Gegenwart
aufbewahrt.
Herr Schneider war mein Stern als Sportlehrer. Er betrieb keinen „Vereinssport“, sondern was uns körperlich
ertüchtigte und dabei auch Spaß machte. Er war Vegetarier, drahtig und den durchschnittlichen Schülern sehr
entgegenkommend. Wenn wir in Riegen eingeteilt wurden, fragte er nach freiwilligen Riegenführern. Ich
meldete mich. Bald hatte ich alle unsportlichen in meiner Riege beisammen. Adolf Lösch, Dieter Gülsch,
Manfred Taufertshöfer u.a.m. Denen half ich geduldig, ihre Übungen auszuführen. Und so waren alle auch
leidlich gerne beim Sport dabei. Das änderte sich aber. Herr Schneider ging in Pension. Ich befürchtete damals,
er bekäme eine kritische öffentliche Entlassung. So bereitete ich mich darauf vor, notfalls, nach Vorne zu
gehen, um ihn zu belobigen und zu danken. Aber er wurde in Ehren verabschiedet.
Meine Befürchtung rührte von seinem Nachfolger. Ein junger sehr sportlicher Lehrer, der in der Oberstufe das
Riesenrad vorturnte und es von den Schülern ebenso abverlangte. Als er auch unser Klasse im Sport übernahm,
fragte er, wer im Sportverein, dem TSG-Weinheim sei. Die sich meldeten wurden nun Riegenführer. Da
brachen für meine unsportlichen Kammeraden diskriminierende Zeiten an. Als Mehlsäcke wurden sie
beschimpft  und verspottet. Da verging ihnen die Lust und sie wurden zu Drückebergern.
Herr Oberst bestritt in allen Klassen den Musikunterricht, inklusive Musiktheorie. Es wurde viel gesungen.
Wir hatten ein Liederbuch als Arbeitsmittel: Unser Liederbuch, Bad. 2 Ausgabe B .  Er leitete erfolgreich den
Schulchor und war als junger Lehrer auch besonders bei den Mädchen beliebt. Es wurde erzählt, dass unter
dem neuen Direktor Haury alle Lehrer sich zusammensetzten, um probehalber noch einmal das Abitur zu
machen. Alle bestanden es in ihrem Fach. Aber nur Herr Oberst in allen Fächern!
Herr Professor Felsch war ein ruhiger älterer Lehrer. Sachlich und streng. Als Professor  hatte er in Weinheim
eine Ehrenstellung.
Dr. Kappler war ein Unikum. Graue Haare, sehr hager, trug er einen abgetragenen dunklen Anzug mit feinen
weißen Streifen. Er hatte Merkhefte eingeführt, in die wir Regeln für die französische Sprache diktiert
bekamen. Diese geordnet nach Paragrafen“  mussten wir auswendig lernen und wurden im Laufe der Stunde
abgefragt: „Paragraf?“…..- Ich protestierte eines Tages gegen die merkwürdigen Zeichen unter dem „c“ und
auf dem „e“. Aber das löste nur Unverständnis aus und ich musste mich damit rumquälen. Kamen doch
Deutsch, Englisch und Latein auch ohne diese Ergänzungen aus.
In Erdkunde, dazu musste immer in der Pause davor der Kartenwart rechtzeitig die richtige Karte aus dem
Kartenzimmer holen, versuchte er uns in der Welt der Städte, Berge, Flüsse und Länder  kundig zu machen.
Mit einem langen „Zeigestock“. Wir passten nicht besonders auf. Einige spielten Karten, machten andere
Schularbeiten oder lasen wie ich unter der Bank ein Buch oder eines der vielen Jugendheftchen, die es damals
gab: Billy Jenkins- Tom Brox –Der rote Kosar.
Unsere Mädchen interessierten sich auch für das Privatleben unserer Lehrer. So berichteten sie, dass Dr.
Kappler in seinem Haus eine Glasveranda hatte, in der Gemälde hingen. An diesen ging er gerne auf und ab
vorbei, sie genießend.
Studienrat  Kreimes war ein sachlicher aber freundlicher Lehrer. Bei ihm hatte ich in einem Zwischenzeugnis
meine einzige „eins“, - im Kopfrechne. Den Mädchen traute er die Mathematik eher nicht zu. Meine Schwester
Ursula hatte ihn auch. Als Ihre Klasse die Sekundareife erreicht, verließen sie seinetwegen das Weinheimer
„Realgymnasium“ und gingen in ein sprachliches Gymnasium.
Studienrat Kreimes und Studienrat Guldner machten mit uns in der Sexta eine Klassenfahrt nach Hindelang.
Beide Lehrer hatten ihre Frauen und Kinder mit. Morgens gab es pro Person zwei Brötchen. Die schafften die
noch sehr jungen Lehrerkinder nicht. Doch bevor die in die Küche zurück gingen, verschenkten die Kinder ihr
zweites Brötchen an uns. Aber nur an die Schüler, die mit diesen Kindern auch Kontakt pflegten. Dazu gehörte
auch ich. So kam ich manchen Morgen auf  bis zu fünf Frühstücksbrötchen.
Die frechen Buben in Hindelang
Problematisch war aber unser Klassenlehrer Dr. Guldner. Er hatte als Soldat sich eine Kriegsverletzung
zugezogen. Als er seinen Kammeraden mit dem emporgestreckten rechten Arm das Zeichen zum Sturm gab,
wurde dieser von einer Kugel getroffen. Die Hand  war versteift und der Arm in seiner Bewegungsfreiheit
eingeschränkt. Er musste mit links schreiben. – Hatte er auch eine Kopfverletzung davon getragen?
Dr. Guldner hatte nämlich die Angewohnheit,  den einen oder anderen von uns in die Schläfen oder
Nackenhaare zu greifen, sie zusammen zudrehen und daran zu ziehen, wenn wir im Unterricht falsche oder
keine Antworten gaben. Schrieben wir eine Klassenarbeit, ging er mit dem Lineal durch die Reihen und gab
uns schwachen Schülern einen mehr oder weniger spürbaren „Erleuchtungsschlag“. Wie Ursula, meine
Schwester  erzählt, wurde er in Weinheim aus Sicht der Eltern untragbar und wurde darum nach Heidelberg
versetzt. Da kam er aber auch nicht gut an.
Begegnete Dr. Guldner uns in der Stadt und sah er uns schon von Ferne, schaute er sich die nächstbeste
Schaufensterauslage an, - mit dem Rücken zu uns. Und auch wenn wir auf der anderen Straßenseite gingen
und ihn nicht grüßten, gab es in der nächsten Stunde einen „Anranzer“ wegen unhöflichen Benehmens.
Ein tolles Schulerlebnis war der Sommertagszug im März 1950. Die „Weinheimer Blüten“ hatten die Schulen
aufgefordert, am Sommertagszug auch mal mit einem Wagen teilzunehmen. Ansonsten war es nur üblich, dass
die Klassen aller Schulen mit „Sommertagsstecken“ am Umzug beteiligt waren, der auf dem Marktplatz
endete, wo der Winter in Form eines Schneemannes verbrannt wurde. ( Ein jedes Jahr wiedergebrauchtes
Drahtgestell , das mit einem weißen brennbaren Material umkleidet war.) So gestalteten wir als Sextaner einen
Wagen mit Indianern, die um ein Zelt gruppiert waren. Im Zeichenunterricht hatten wir uns bei Herrn Edinger  
„Schilde“ gestaltet und bemalt, desgleichen Stirnbänder aus Wellpappe, in die wir Federn stecken konnten.
Gernot Fabricius, der Forstmeistersohn konnte sich mit tollen Habichtsfedern schmücken und wirkte so als
Häuptling mit. Da ich mit ihm befreundet war, hatte ich auch ein paar „edle“ Federn abbekommen, während
die anderen sich mit angemalten Hühnerfedern zufriedengeben mussten. Natürlich hatten wir uns auch
Tomahawks und Speere gebastelt. Lederstrumpf ließ grüßen. Großartig war auch ein „Indianerzelt“ gestaltet
und bemalt. So bekam unsere Klasse, wie ich mich erinnere, den zweiten Preis.
Als Lateinlehrer hatten wir Herrn Hauk. Er war Junggeselle. Die Mädchen berichteten eines Tages, dass er
jeden Abend seine Krawatte an den Fenstergriff aufhängte. Er war ansonsten sehr gepflegt gekleidet, hatte
ebenfalls auf Grund einer Kriegsverletzung einen steifen Finger.
Herr Studienrat H. Reinhard war ein sehr gutmütiger Klassenlehrer. Wir hatten ihn in Englisch. Er machte mit
uns einen Klassenausflug nach Neustadt an der Weinstraße. Wir waren schon in der Pubertät, d.h. versuchten
eigene Wege zu gehen. Auf einer Wanderung auf einer Landstraße ((Der Weinstraße), bummelten die
Oppositionellen hinterher. Das ärgerte ihn und  er ermahnte sie ständig, „aufzuschließen“. Mit meinen „braven
Kameraden“ bildete ich dagegen die Spitze. Als den „Nachzüglern“ das Ermahnen zu viel wurde, legten sie
den Schnellgang ein: Sie gingen in Trab über. So kamen sie dann auch im Dauerlauf an uns an der Spitze
vorbei. Sie forderten uns auf, mitzulaufen. Wir versuchten es, aber am Ende war ich der einzige, der mit den
„Sportlern“ mithalten konnte. Gewiss, auch mir gingen zwischendurch bald die Kraft und Puste aus. Aber ich
wollte nun nicht allein zurückbleiben und hielt durch. Eine tolle Erfahrung. Im nächsten Ort angekommen,
kehrten wir im ersten Gasthaus ein. Bestellten uns ein Bier und stürzten es bei der Hitze nach dem
anstrengenden Lauf herunter. Denn bald kamen die anderen und Herr Studienrat Reinhard. Da entwichen wir
durch die Hintertür, um hinter ihm wieder vorne rein zukommen. Von unserem Biergenuss sollte er schließlich
nichts merken.  Später machten wir auch am Straßenrand – oder vorher? – Rast auf Baumstämmen, die am
Straßenrand zur Abfuhr gelagert waren.. Es wurde ein Gruppenfoto gemacht. Als wir weiter wollten, vermisste
Studienrat Reinhard seinen Hut, den er wegen der Hitze abgelegt hatte. Den hatten andere gesehen und
plattgetrampelt. Der Hut war nicht mehr der beste aber überstand es und Studienrat Reinhard hob ihn mit einer
Bemerkung gelassen auf, brachte ihn wieder in Form und setzte ihn sich zum Weitermarsch auf.
Herr Studienassessor Dr. Pönisch war ein Streber. Er wollte sein an der Uni erworbenes Wissen und Können
direkt an uns weiter geben. Wir lasen und übertrugen Althochdeutsch (Das Hildebrandtlied?)  Er erzählte uns,
dass er abends im Bett solche Texte las und seine Frau ihn dabei an übersetzten Texten überprüfte.
Er  machte mit unserer Klasse 1956 eine Skifreizeit auf den Feldberg. Ich hatte Glück. Mein Vater hatte 1945
als „Flüchtling“ für den verlorenen Hausrat zwei Paar Ski in Eckernförde bekommen, sie aber nur einmal
zusammen mit meiner Mutter in Eckernförde nutzen konnte. Nun kamen sie zu Ehren.
In unserer Unterkunft wurde auch Unterricht erteilt. Dr. Haury, unser Direktor und gleichzeitig
Mathematiklehrer, brauchte dazu eine Wandtafel, die nicht vorhanden war. Als Ersatz musste ein
hochgestellter Tisch herhalten.
Nach unserer Rückkehr hatte meine Mutter ein Gespräch mit Dr. Pönisch. Der sagte zu ihr: „Ich habe ja gar
nicht gewusst, dass Ihr Sohn denken kann!“ Aber diese Erkenntnis setzte er pädagogisch nicht um. Das „Fach“
war ihm wesentlicher, als die Schüler. Später wurde Dr. Pönisch in der Nachfolge von Dr. Haury Direktor des
Gymnasiums.
Ostern 1956 wurde ich nicht versetzt. In einer „c“- Klasse wiederholte ich die Obersekunda. Da traf ich viele,
die vor mir gescheitert waren.
Hier hatten wir Studienrat Dr. Bielka. Sein ungarischer Name lautete auf Deutsch: „Eichhörnchen“. Ich
glaube, er hatte eine Vollglatze wie Herr Hauk. Aber er war sehr streng, was nicht zu meinem Schaden wurde.
Oder doch? - Siehe in Waldmichelbach.
Wir hatten ihn in Latein. Jeder Text wurde dreifach bearbeitet: Präparieren – flüssig übersetzen –
rückübersetzen. So lernte ich gründlich Latein. Als mein Bruder Manfred später dieselben Texte übersetzte,
konnte er mich ständig nach den einzelnen Vokabeln fragen. Ich wusste dann die jeweils spezielle Form und
die Bedeutung.
Zum Problem wurde unsere Chemielehrerin. (?) Ein Fräulein, schlank, schick gekleidet  und geschminkt
passte sie nicht zu uns Rabauken. Sie konnte sich nicht durchsetzen. Als es die Möglichkeit gab, Tests zu
schreiben, drohte sie uns diese oft an. Eines Tages verweigerte die Klasse, so einen Test zu schreiben, mit der
abgesprochen Behauptung, er sei nicht angekündigt worden. Nur eine Mitschülerin und ich schrieben den Test.
Da hatten wir beide fortan schlechte Karten in der Klasse. Es gab eine große Strafaktion: Der Test wurde
nachgeholt, für die, die ihn nicht geschrieben hatten und es wurde eine extra Klassenarbeit in Latein
geschrieben. Das Mädchen und ich brauchten zu dieser nachmittäglichen Arbeit nicht anzutreten. Da aber mein
Nachbar Dieter Severus bei den Arbeiten mich zum Abschreiben brauchte, kam ich zur Arbeit. Da stand es
aber auch schon fest: Ich wechsele nach Waldmichelbach. Rektor Haury hatte das meiner Mutter empfohlen
und in die Wege geleitet, da ich als „braver“ Schüler in der Klasse „verschissen“ hatte und da nun gar nicht
mehr  reinpasste.
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Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auch meine Erinnerungen an mein „Sozialverhalten“ in der Schule
einfügen. Dabei fällt mir auf, ich entdecke mein Leben neu. Was ich schon immer von mir sagte: „ Ich bin ein
Blitzmerker mit Zeitzündung“.
Das will heißen: Ich nehme viel wahr und speichere es als Film. Aber was ich da gespeichert habe bleibt, bis es
wegen einer Deutung abgefragt wir. Wie oft kam es vor, dass Christa , meine Ehefrau, mich nach dem einen
oder anderen Amtskollegen fragte, wer das sei. Ich wusste nichts zu antworten. Dann aber erinnerte ich mich
an das Gesicht oder einzelne Beobachtungen ja Begegnungen und interpretierte sie nun. Der Kollege bekam
nun ein „Gesicht mit Farbe und Charakter.“
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Weinheim,Gymnasium .