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Stockelsdorfer Engel.
Andere lassen am 6.12. den Nikolaus, den Heiligen des Einzelhandels, an Häuserwänden,
Balkonen und Schornsteinen mit einem Sack empor turnen. Das regte mich an, einen Engel zu
zimmern und diesen in meinem Garten auf zu stellen. Der Clou ist der Wurzelstock/Stubben
einer japanischen Kirche, die ich fällen musste.
In ihm, einem Wurzelstock, sehe ich den Grundgedanken meiner theologischen Überlegungen.
: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das religiös zu sein scheint. Ja, seine Religiosität ist
sein Merkmal, das neurologisch bedingt zu sein scheint. Der Mensch stellt Fragen an das
Leben, um es zu verstehen und um es nach seinem Willen zu gestalten. Kurz: Jeder Mensch
glaubt an etwas. Diese Begabung macht ihn relativ frei von Instinkten und angeborenen
Fähigkeiten. Er kann seine natürlichen Grenzen mit Hilfe seiner Gedanken überschreiten.
Die Gedanken des Menschen werden von Träumen, Visionen und Phantasien beflügelt.
Ideenträger werden hoch geschätzt oder gefürchtet, geehrt oder verbannt. Die Pflege der Ideen
übernimmt die Tradition, ritualisiert in Religionen, Konfessionen, Medien ( Schrift,  Bildern,
Liedern, Bücher usw. ).
 
So ist die Botschaft meines gezimmerten Engels:
Die Religion
ist der Wurzelstock unseres Menschseins,
der Mensch glaubt und hofft.
Religion
gibt uns Menschen Licht und Wärme und Orientierung.
Die Theologie
gibt der Religion ein Gesicht.
Der Unterbau
ist praktische Politik.
Kirche und Staat re-präsentieren zeit- und
ortsbedingt die Religion.
(H-E.S,.4.12.11.)
   Wie religiös der Mensch ist, offenbart die Weihnachtszeit. Rund um die Welt wird dieses Fest
begangen. Es wird geschenkt, gefeiert, Gottesdienste werden besucht. Familiäre Traditionen
werden gepflegt. Nur wenige entziehen sich diesem Ereignis. Dem Rest ist es ein  Ärgernis
oder eine Torheit.( 1. Korinther 1, 23 ).
(H-E.S.14.12.11.) 
Diesen Engel habe ich während der Adventszeit vor meinem Haus stehen. Nur im Rahmen des  
„Weihnachtsdorfes“  (2011, 2012) stellte ich ihn über das Wochenende auch bei der Stockelsdorfer Kirche auf.
Dazu lag auch ein kleiner Handzettel bereit, zum Mitnehmen, mit dem Bild und dem erläuternden Text. Wie er
ankommt, was Leute darüber denken, habe ich bisher noch nicht erfahren.
„Gott ist Mensch geworden“ – Als Märchenprinz in einem Stall geboren, als Jude am Kreuz gehasst und unter
Hohn und Spott verendet!
Da mich dieser Grundgedanke „Gott ist Mensch geworden“ nicht loslässt, versuche ich  seit 1996 das Thema
immer aufs Neue zu ventilieren. So kam ich auch auf die Engelsbotschaft von 2013:
Näher kann Gott Dir nicht kommen,
als dass er in Dir ist:
ratlos
hilflos
außer in der Liebe.
Paradoxer Weise relativiert Theologie die religiöse „Wahrheit“. Theologie systematisiert religiöse Erfahrung und
Tradition in Anlehnung an das „Denken“ der Zeit und der lokalen Bedingungen.
Darum müssen  wir uns den Wurzeln unseres Menschseins wieder nähern: Der Religiosität. Jeder in seiner
Kultur seiner Konfession. Global vernetzt im gegenseitigen Respekt mit neugieriger Toleranz.  Das geht über die
persönlichen Emotionen. Zu ihnen zu stehen, sollten wir den Mut haben. Es geht nicht um ein Zurück zu alten
Dogmatiken, sondern um lokale Theologien, die die Moderne für die Zukunft spiritualisieren.
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Auch dieses Jahr (2013) durfte mein Engel nahe der Kirche stehen. Und wieder gab der Grundgedanke „Gott ist
Mensch geworden“ mir eine weitere Anregung. Ich plazierte zu Füßen des Engels einen Futtertrog für Küken.
Indem in Jesus von Nazareth „Gott Mensch“ geworden ist, ist die Liebe zum ethischen Prinzip der Christen
worden – ist das „eherne Gesetz“, sind die „steinernen Tafel des Moses“ in den „Menschenrechten“ veredelt
worden.
Als rotes Herz habe ich die „Liebe“ symbolisch in die Futterrinne gelegt. Darunter Vogelfutter, daneben einen
„Jägermeister“, ein Matchboxauto, einen Würfel, was ich so als Kleinzeug fand. Stellvertretend für das, was wir
uns zu Weihnachten schenken. Aber auch zwei Kieselsteine, denn die Probleme der Wirtschaft, Medizin und
Politik und öffentlichen Ordnung ruhen in der Weihnachtszeit nicht.
Wie wenig aber die Liebe in unserem Alltag konkret wird und kaum eine Chance dazu, erzählen symbolisch die
Herbergssuche von Joseph und Maria und „Futterkrippe“, die auf das Kreuz und das Passamahl hinweisen.
Wer hat es gesehen? Wer findet die „Botschaft“? – wer ins Internet schaut.
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Säkulare demokratische Staaten bieten die Grundlagen für eine humane Zukunft.  Sie garantieren
Religionsfreiheit. So sollen sich sakrosankte Staatsreligionen  auflösen.  Der Individualisierung des Glaubens
können Tor und Tür geöffnet werden. Da bleibt es nicht aus, dass intellektuell und philosophisch  die Existenz 
Gottes - in welche Form  auch immer - in Frage gestellt.
Da aber der Mensch religiös ist, haben und werden sich staatlicherseits ein Ideologischer Ersatz anbieten. Oder
der materielle Zeitgeist erfasst die Gesellschaften: Konsum, Popikonen, Urlaub, Freizeit, Eigenheim.    Bei aller
Säkularisation und Religionsfreiheit: Der Mensch wird emotional immer wieder in den Bann der Religionen
gezogen. Kirchen und Tempel werden im Urlaub besucht, Volksfeste und lokale Riten mitgefeiert. Den reinen
Geist, die abstrakte Rationalität kann nur ein PC aushalten.
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Die Neugier des Menschen hat in der Astronomie  ihr Werkzeug gefunden: Die Mathematik. Der Durchbruch
kam mit Kopernikus: Die Erde dreht sich um die Sonne, die Erde ist eine Kugel. Mit Galilei und Columbus wurde
aus Neugier Erkundung und systematische Forschung.  Der Mensch löste sich aus der Opferrolle. Er
durchschaute zunehmend die Geheimnisse des Lebens. und wurde zum Herrn der „Welt“ und über
seinesgleichen.
Fromme Gläubige rennen dagegen in ihrem Glauben mit dem Kopf gegen die sie umgebenden Wände. Sie
schauen nicht aus dem Fenster. Mit Gebeten wollen sie Wetter und Krankheiten wie selbstverschuldete
Katastrophen abwenden. Sie treten nicht durch die Türe ins Freie. Sie nutzen zwar Technik und Medizin, aber sie
glauben nicht, dass sie im Gehorsam gegen die Natur Gottes schöpferische Kinder sind, dass sie das tun, was
ihre Väter von Gott vergebens erbetet haben.- Sie sehen nicht, dass wir Mensch „Gott“ sind in all seinen
Facetten.
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Die „Entwicklung“ von Wissen, Wohlstand und Macht lässt sich auf allen Gebieten in einer ständig steigernden
Kurve darstellen. Bevölkerungswachstum, technischer und medizinischer Fortschritt - eine
Produktionssteigerung in der Masse. Dazu gehört das Papier und die Druckkunst: Bücher werden vom Kleinod
zur Ramschware. Das geduldige Papier lässt sich als Papiergeld massenweise drucken, sodass die Staatsschulden
weltweit zur Alltäglichkeit werden.
Eine Tsunamiwelle baut sich da auf!  Wann wird sie kippen?  Ist es der Islam, der die Welle zum Kippen bringt? -
Der Gnadenlose Hass aus Eifersucht auf die freie Liebe? - Wenn ein Leiharbeiter das Spionagesytem der USA
verraten kann, kann auch eine Tschetschenin an einem 1. Mai im Namen al-Qaida eine russische Atomrakete
starten.
Der Mensch verspielt seine Freiheit. Die Freiheit, arbeiten und schaffen zu dürfen. Stattdessen will er Konsum,
Wohlstand, Genuss und Spaß. Shopping als Livestile. Der Mensch wird zum Kinde, das Zuflucht sucht bei Vater
Staat, Hotel Mami oder  religiösem Fundamentalismus.
Wer hat den sportlichen Ehrgeiz auf dieser sich überschlagenden Welle zu surfen? 
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Wir leben die Zukunft. Sie heißt „Wachstum“, „Entwicklung“, Fortschritt“.  Wer – besonders als junger Mensch - 
in der Mitte des Zeitstromes davongetragen wird, sieht keine Probleme. Er ist überwiegend ein biochemisches
reaktionäres Wesen, ohne Besinnung,  oft ein Ideologe ohne „Moral“! Wer aber durch Zufall, Dummheit oder
Alter von der Mittellinie abkommt, sieht am Ufer das Schilf, die Klippen, die Sandbänke. Dann ist guter Rat teuer
und Hilfe meist weit weg.  Wer sich fallen lässt, landet. Aus der „Sorglosigkeit“ wird „Katastrophenalarm“. Dass
auf dem Humus des Todes neues Leben erwächst, sieht nur der Historiker.
Vielleicht erkennt der Historiker aber auch die „Moderne“ differenzierter. Es ist nicht eine Welle, sondern es
sind viele Wellen, nur dass sie aufeinander folgen und wobei auch manch eine Welle kippt. Dazu gehört der
Geburtenrückgang in reichen Ländern. Einst  erstickte die Großstadt Berlin an den vielen Kutschen und dem
Pferdemist. Das Benzin/Diesel-Auto war die saubere Lösung. Heute wird davor gewarnt, dass China sich im
selben Maße wie Europa motorisiert und dass das weder die Ressourcen hergeben noch dem Klima dient.
Jedoch das wird nicht am Benzin scheitern, sondern es werden Elektrofahrzeuge mit erneuerbaren
Energiequellen China und auch noch Afrika  mobilisieren.  Immer weiter so?
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Aus Sinnenrausch und Depression führt nur die Liebe zur Schöpfung in ruhige Gewässer. Die Liebe sucht den
Nächsten, den Nachbarn, die „Anderen“, die Tiere, die Natur und die historischen Kulturgüter. Das ist Glaube,
das ist Gnade.
Aber woher soll der Glaube kommen. Wie wollen wir Gnade finden?  Luther fand alles in seiner seelischen Not,
als er das Neue Testament las. Leiden wir an irgendeiner Not?  Würden wir doch an unserer verbreiteten
Unvernunft leiden. Wäre das ein zeitgemäßer Anstoß?
(H-E.S.20.12.2013.)